Mythos Wassersparen: Wie nachhaltig ist ein sparsamer Umgang mit Wasser in Deutschland?

Wasser sparen
Bild: RayMark, pixabay.com

Schon als Kind lernen wir, dass Wassersparen wichtig für die Umwelt ist. Aber wie sinnvoll ist das in einem so wasserreichen Land wie Deutschland? In trockenen Regionen dieser Welt ist Wasser so kostbar, dass jede Bemühung zu Reduktion des Verbrauchs genutzt werden sollte.

In Deutschland muss die Situation differenzierter betrachtet werden.Auch bei uns gilt, dass pauschal betrachtet ein geringer Wasserverbrauch nur Vorteile hat. Größere Wassermengen setzen eine größere Dimensionierung der Kanalisation und der Kläranlagen voraus, was wiederum kostenintensiv ist. Allerdings ist Deutschland in den meisten Gebieten ein sehr regenreiches Land, sodass das Grundwasser durch den Niederschlag wieder aufgefüllt werden kann.

Unser Abwassersystem ist jedoch mehrere Jahrzehnte alt und wurde für den damaligen Wasserverbrauch dimensioniert. Durch ein Paradigmenwechsel der Verbraucher in den letzten Jahrzehnten und neuen immer effizienteren Haushaltsgeräten nimmt der Wasserverbrauch immer weiter ab, wie die folgende Graphik veranschaulicht.

Wasserverbrauch in Deutschland zwischen 1990 und 2013
Entwicklung des Wasserverbrauchs von privaten Haushalten und Kleingewerbe in Deutschland. (Eigene Abbildung mit Daten der BDEW)

Wird nun immer weniger Wasser verbraucht, fließt weniger Wasser durch die Rohre. Die Fließgeschwindigkeit sinkt und Fäulnis und Korrosion greifen um sich. Der Sanierungsbedarf steigt und die Geruchsbelästigung steigt. Dies führt in vielen Regionen dazu, dass das Abwasser mit Chemikalien oder Sauerstoff versetzt werden muss, um den Gerüchen Herr zu werden. Manche Abwasserbetriebe, wie bspw. in Gelsenkirchen sind zudem darauf angewiesen, zusätzliches (Trink-) Wasser in die Kanalisation zu leiten, um das Wasservolumen zu steigern. Durch den zusätzlichen Aufwand steigen die Abwasserkosten, die Haushalte sparen noch mehr Wasser um Kosten zu sparen. Wir befinden uns in einem Teufelskreis.

Sind neue Kanalisationssysteme die Lösung?

Auf die Schnelle liegt der Gedanke Nahe, neue Leitungen zu verlegen, die einen geringeren Rohrdurchmesser haben. Dadurch würde die Fließgeschwindigkeit des Abwassers steigen, die Probleme würden minimiert. Das Problem liegt darin, dass unter Deutschlands Erde mehr als 500.000 km Rohrleitungen verlegt sind. Mehr dazu gibt es in diesem Bericht der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft Zustand-der-Kanalisation-in-Deutschland-2009.pdf. Sie zu ersetzen würde Milliarden Euro verschlingen und Jahrzehnte benötigen. Dazu kommt, dass vielerorts Mischwasserkanalisationen verbaut sind. Das bedeutet, dass das Regenwasser zusammen mit dem Abwasser der Haushalte abgeführt wird. Durch den Klimawandel sind vermehrte Starkregenereignisse zu erwarten, sodass kleinere Rohrdurchmesser kontraproduktiv sind. An diesen Stellen wäre ein Ausbau der Kanalisation zu einem getrennten System sinnvoll, was wiederum zusätzliche Kosten verursacht, da nun überall zwei neue Rohre verbaut werden müssten.

Hier ist ein empfehlenswertes YouTube-Video zu diesem Thema:

Versteckter Wasserverbrauch

An anderer Stelle lässt sich deutlich sinnvoller Wasser sparen. Wer beispielsweise Tomaten aus dem Senegal importiert, der importiert Wasser aus Afrika, da Tomaten zu 95 % aus diesem Stoff bestehen. Dieses Wasser und solches, dass für Produktionsprozesse verwendet wird, bezeichnet man als „verstecktes Wasser“. Beispielsweise bei Herstellung von Kleidung und Elektronik wird sehr viel Wasser benötigt. An dieser Stelle Wasser zu sparen, indem diese Produkte gar nicht oder weniger gekauft werden, ist sehr sinnvoll.

Weitere Entwicklung

Da der demographische Wandel den Wassermangel in Deutschlands Kanalisationen noch verstärken wird, ist ein Umbau des Kanalisationsnetzes unausweichlich. Wie ich oben beschrieben habe, wird sich dieser Prozess jedoch über Jahrzehnte hinwegziehen und aus Kostengründen so lange wie möglich heraus gezögert.

Da die Wassersparmentalität auch in Zukunft für steigende Abwasserpreise sorgen wird, ist ein Umdenken der Bevölkerung, die versucht Kosten zu sparen, in dieser Hinsicht sehr unwahrscheinlich.

Fazit

Wassersparen im deutschen Haushalt macht aus ökologischer Sicht nur dann Sinn, wenn Energie für die Erhitzung des Wassers benötigt wird (bspw. Dusche, Waschmaschine, etc.). An anderen Stellen, wie z.B. bei der WC-Spülung macht das Wassersparen zum Schutz der Umwelt keinen Sinn und ist sogar kontraproduktiv.

Dieses Fazit gilt aber nur bei uns, wo Wasser im Überfluss vorhanden ist. Da unsere Konsumgüter oft aus wasserarmen Regionen stammen, ist es wichtig, sich dem versteckten Wasserverbrauch bewusst zu werden und weniger zu konsumieren.

Ein Gedanke zu „Mythos Wassersparen: Wie nachhaltig ist ein sparsamer Umgang mit Wasser in Deutschland?

  1. Katrin Antworten

    Letztendlich versucht aber fast jeder, die Wasserkosten in irgend einer Form einzusparen, ohne darüber nachzudenken, wie sinnvoll das ganze am Ende tatsächlich ist.

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