Sand: Ein unscheinbares Umweltproblem

Sand
Bild: bhr2al, pixabay.com

Sand scheint es in Hülle und Fülle zu geben. Er füllt Strände und sogar ganze Wüsten. Im Alltag schenken wir diesem Stoff wenig Beachtung und dennoch ist er so wichtig für unser Leben, dass politische Konflikte darum entbrennen und mafiöse Strukturen Sandschmuggel betreiben. Aber eins nach dem Anderem.

Wofür braucht man Sand?

Sand ist wahnsinnig vielseitig und ist aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Er dient als Grundlage für Glas und siliziumbasierte Halbleiter. In jedem Fenster, in jedem Computer und jedem Handy steckt also Sand.

Aber damit nicht genug. Denn Sand ist auch ein sehr wichtiger Baustoff. Für den Straßenbau und für die Herstellung von Beton ist diese Ressource unverzichtbar. Wir alle sind auf Straßen angewiesen und Beton ist aus der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken. Wenn man sich moderne Großstädte ansieht, sticht sofort die Vielzahl der Stahlbetonbauten mit Glasfassade ins Auge. Und in diesen Hochhäusern sind dann meistens Büros, aus denen Computer, Monitore, und andere Informationstechnik nicht mehr wegzudenken ist.

Man kann sich also nicht dem Eindruck erwehren, dass unser moderner Lebensstil auf Sand gebaut ist. Vor allem wenn man betrachtet wo dieser Sand herkommt.

Wüstenstaaten importieren Sand

Leider ist nicht jeder Sand gleich. Wüsten sind zwar voll damit, aber leider werden die Sandkörner durch den ewigen Wind aneinander rund gerieben. Um daraus Baustoffe wie Beton zu machen sind sie unbrauchbar, da sie nicht gut genug aneinander haften bleiben. Sand aus dem Meer oder aus Flusssediment wiederum ist deutlich kantiger und eignet sich daher sehr gut um damit zu bauen.

Dieser Umstand führt dazu, dass ausgerechnet sandreiche Staaten, wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate Sand aus Europa oder Australien importieren müssen, um ihre Märchenstädte bauen zu können.

sand gibt es wie sand am meer

Vielerorts wird der Sand von den Stränden genommen oder vom Meeresboden in flachen Gewässern abgesaugt. Abgesehen von den direkten Umweltschäden, die diese Methoden verursachen, haben sie auch negative Langzeiteffekte. Dies führt unweigerlich zum Verschwinden der Strände. Selbst wenn der Sand einige hundert Meter vor dem Strand abgesaugt wird, entsteht auf diese Weise eine Kuhle im Meeresboden, die durch die Wellenbewegung mit Sand vom benachbarten Strand aufgefüllt wird. Der Strand wird kleiner. An vielen Orten ist das verschwinden der Strände bereits sichtbar.

In Miami müssen die Strände mittlerweile regelmäßig aufgeschüttet werden, damit sie nicht kleiner werden. Davon wäre natürlich der Tourismus betroffen. Allerdings besitzt der Strand auch eine natürliche Funktion als Schutzwall für die Küstenregion. Ohne Strände kann die Küstenerosion deutlich schneller um sich greifen und Land geht verloren.

Die Machenschaften der Sandmafia

Vielerorts haben sich mafiöse Strukturen gebildet, die Sand illegal abbauen. Die Malediven beispielsweise haben ein großes Problem mit illegalem Sandabbau, der dafür sorgt, dass immer mehr kleinere Inseln verschwinden und die Menschen umsiedeln müssen. Aber auch in Singapur greift diese Problematik um sich. Da der Stadtstaat immer weiter wächst, wird neues Bauland im Meer erschlossen. Dafür muss der Sand erst mal heran geschafft werden. Dieser Sand stammt oftmals aus benachbarten Ländern, wie Kambodia oder Indonesien. Dort ist das Verschwinden kleinerer Inseln ebenfalls zu beobachten. Durch solche internationalen Machenschaften, die oft staatlich sanktioniert sind, wird der Nährboden für zusätzliche Konflikte geschaffen.

Tragisch-ironische Auswüchse dieser Sandproblematik sind in Marokko zu beobachten. Dort wurde im Tourismusboom an den Küsten ein Hotel neben dem anderen aus dem Boden gestampft. Ein großer Teil des benötigten Sandes wurde von den Stränden geklaut, sodass vielerorts keiner mehr da ist. Die Hotels, die für die Touristen gebaut worden sind, die vor allem den Meerblick und den Strand genießen wollen, haben also dafür gesorgt, dass es keine Strände mehr gibt.

Viele dieser Aspekte werden in der folgenden arte-Dokumentation näher betrachtet und erläutert.

Fazit

Die Sandproblematik ist noch überhaupt nicht in unserer Gesellschaft angekommen. Sand ist einfach zu unscheinbar und ein Mangel daran scheint widersinnig. Erst wenn dieses Problem von der Politik erst genommen wird, kann etwas dagegen getan werden. Die öffentliche Hand ist aber durch den Straßenbau und die Errichtung öffentlicher Gebäude der größte Verbraucher dieser kostbaren Ressource und andere Probleme scheinen wichtiger zu sein. Es bleibt also zu hoffen, dass das Thema Sand nicht unter den Teppich gekehrt wird, sondern lieber früher als später Gegenmaßnahmen gegen diesen Raubbau an der Natur ergriffen werden.

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