Wie klimaschädlich ist das Fliegen?

Fliegen
Bild: Jacky Lo, unsplash.com

Die Konkurrenz zwischen den Airlines ist stark und verschiedene Billiganbieter drücken die Ticketpreise, dadurch wird das Reisen per Flugzeug für immer mehr Menschen attraktiv. Gleichzeitig wächst die Weltwirtschaft und der Lebensstandards in Ländern wie China oder Indien steigt.

Entwicklung des Flugverkehrs

Das schlägt sich auch in der Entwicklung der Anzahl beförderter Personen im deutschen Luftverkehr wieder. Im Jahr 2015 lag die Anzahl der Passagiere in Deutschland bei ca. 194 Millionen Menschen. [statista] Der Trend ist eindeutig. Wie der folgenden Abbildung entnommen werden kann, steigt die Anzahl der Flugpassagiere stetig. Auch die globale Finanzkrise von 2008 konnte diese Entwicklung nur kurz schwächen.

Entwicklung der beförderten Passagiere im deutschen Luftverkehr
Entwicklung der beförderten Passagiere im deutschen Luftverkehr (Eigene Darstellung mit Daten des statistischen Bundesamtes [statista])

Viele Menschen nehmen das Flugzeug auch als legitime Alternative für kürzere Strecken, für die auch eine Autofahrt oder die Reise per Bahn in Frage kämen. Staus auf den Autobahnen, teure Bahntickets und unpünktliche Züge ohne Sitzgarantie machen das Flugzeug als Reisemittel zusätzlich attraktiv.

Wie schädlich ist das Fliegen?

Die Anzahl der Flugpassagiere nimmt also Jahr für Jahr zu. Welchen Einfluss hat das Reisen per Flugzeug aber auf die Umwelt?

Vergleich mit anderen Transportmitteln

Der Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln zeigt, wie sehr die Fliegerei die Umwelt belastet. Wie der folgenden Abbildung entnommen werden kann, ist das Fliegen pro zurückgelegtem Kilometer und Person sogar schädlicher als das Autofahren. Im Vergleich zur Bahn wird sogar mehr als das Vierfache an CO2-äquivalenten Treibhausgasen emittiert.

Vergleich verschiedener Transportmittel
CO2-äquivalente Treibhausgasemission verschiedener Lebensmittel mit Daten des Umweltbundesamtes (Eigene Darstellung mit Daten des Umweltbundesamtes [UBA])

Dieses Problem wird dadurch verstärkt, dass sich mit dem Flugzeug große Distanzen in kurzer Zeit zurück gelegt werden können. Die Zahl der Fernreisen nimmt durch die höhere Attraktivität zu und die Gesamtzahl der gereisten Kilometer steigt.

Emissionen im Kontext des Jahresbudgets eines Menschen

Um die Zwei-Grad-Grenze des Weltklimarates nicht zu überschreiten, bleibt jedem Menschen auf dieser Erde eine CO2-Emission von ca. 2,7 Tonnen pro Jahr. Der Bevölkerungszuwachs ist dabei noch nicht berücksichtigt, der wahre Wert liegt also noch niedriger.[WBGU]

Bei einer Reise von Hamburg nach New York fallen alleine für Hin- und Rückflug Treibhausgase an, die so klimaschädlich sind wie ca. 2,9 Tonnen CO2. [atmosfair] Dabei hat die direkte CO2-Emission durch die Verbrennung des Kerosins nur einen Anteil von einem Drittel. Viel stärker fallen die Entstehung von Kondensstreifen und die Bildung von Ozon ins Gewicht. Die Ausprägung der Kondensstreifen hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Feuchtigkeitssättigung der Luft, die Lufttemperatur und der Rußpartikelausstoß der Triebwerke. Durch einen USA-Urlaub ist unser jährliches CO2-Budget also bereits aufgebraucht, ehe wir mehr vom Urlaub gehabt haben, als An- und Abreise.

Staatliche Subventionen

Wenn das Fliegen also so umweltschädlich ist, würde man erwarten, dass der Staat etwas dagegen unternimmt. Das Gegenteil ist aber der Fall. Zum einen wird Kerosin nicht besteuert, zum anderen wird auf internationale Flüge auch keine Mehrwertsteuer fällig. Allein im Jahr 2012 lag der Steuervorteil bei ca. 11,8 Milliarden Euro[daserste]

Da bei der Bahn die Stromsteuer und beim PKW die Ökosteuer fällig wird, liegt also eine deutliche Bevorteilung des Flugverkehrs durch den Staat vor.

Was kann ich tun?

Die Antwort auf diese Frage ist unbequem aber unausweichlich. Wer die Umweltbelastung durch das Fliegen verringern will, darf weniger auf das Flugzeug als Transportmittel zurückgreifen. Regionale Urlaubsziele oder zumindest solche, die bequem mit dem Auto oder der Bahn erreicht werden können, sind Fernurlauben vorzuziehen. Wer dennoch nicht auf den Urlaub in der Sonne verzichten will, sollte zumindest die Zahl der Fernreisen verringern und dafür mehr Zeit am selben Urlaubsort verbringen.

Darüber hinaus kann der eigene CO2-Ausstoß kompensiert werden, indem Projekte für die Verminderung von Treibhausgasemissionen an anderer Stelle unterstützt werden. Eine Plattform dafür bietet die Seite www.atmosfair.de, bei der auch gleich die produzierte CO2-Menge berechnet werden kann. Kritiker bezeichnen dieses Verfahren jedoch nicht zu Unrecht als modernen Ablasshandel und der eigene Umwelteinfluss sollte durch solche Ausgleichszahlungen nicht vernachlässigt werden.

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